Sowjetischer Friedhof in der Michendorfer Chaussee

Einer der größten sowjetischen Friedhofsanlagen in Deutschland befindet sich vor den Toren der Stadt Potsdam. Diese letzte Ruhestätte unterscheidet sich stark von anderen Friedhöfen.

Vielen Potsdamern ist er unbekannt. Der große sowjetische Friedhof südlich der Stadtgrenze, an der Bundesstraße 2 in Richtung Michendorf. Große schattige Bäume geben der Anlage den Charakter eines Waldfriedhofs.

Angelegt 1946, ermöglichte er den in dieser Gegend bei den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges gefallenen sowjetischen Soldaten eine würdevolle Ruhestätte. Denn im Kampf getötete Soldaten wurden aus hygienischen Gründen meist an Ort und Stelle notdürftig begraben, oftmals am Straßenrand. Nach dem Krieg wurden dann spezielle Suchtrupps aufgestellt, die die Schlachtfelder systematisch absuchten, um die Toten anschließend umzubetten.

Daher findet man auf den Grabsteinen oftmals die Jahreszahlen 1946-1950, da wegen des unbekannten Sterbedatums das Datum der Umbettung festgehalten wurde. Tatsächlich sind die meisten Soldaten bei den Kämpfen im April 1945 ums Leben gekommen. Insgesamt befinden sich auf dem Friedhof die Grabstätten von 2.400 Kriegstoten.

Eine Besonderheit des Friedhofes ist jedoch, dass er gleichzeitig ein Garnisonfriedhof für die in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte war.

Der Dienst in der Sowjetarmee war hart und Unfälle waren an der Tagesordnung. So erinnern einige der insgesamt 2.800 Grabstätten an Unfälle mit Flugzeugen oder Panzern, die als Silhouetten in die Grabsteine eingraviert sind. Ein besonders schwerer und mysteriöser Unfall ereignete sich 1951, als 13 sowjetische Flugzeuge vom Himmel über Südbrandenburg fielen und 26 Menschen starben.

Dass die Toten ein Gesicht bekommen liegt an einer weiteren Besonderheit dieses Friedhofes. Viele Grabstätten verfügen über Emaillebilder der Verstorbenen, wodurch die Gräber persönlicher wirken. Diese Tradition ist in Russland zwar üblich, wurde bei den anderen Garnisonfriedhöfen in Ostdeutschland aus unbekannten Gründen jedoch nicht umgesetzt. Die Hinterbliebenen haben auf den Gräbern teilweise auch Alltagsgegenstände wie Wodkaflaschen, Zigaretten oder Kinderspielzeug hinterlassen, was ebenfalls typisch für die russische Trauerkultur ist. Die letzte Beerdigung fand hier am 28.Dezember 1985 statt.

Infobox

Sowjetischer Friedhof Potsdam

Michendorfer Chaussee 14473 Potsdam

Anfahrt:

Bus bis „Michendorfer Chaussee/Friedhof“

Buchtipp:

Joachim Liebe: Vergessene Sieger. Jahre danach. Halle (Saale), 2015

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