Sowjetisches Speziallager und Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen

Kurz nach dem Krieg nutzte die sowjetische Besatzungsmacht einen Gebäudekomplex in Berlin-Hohenschönhausen als Sepziallager und zentrales Geheimdienst-Untersuchungsgefängnis.

Von der nächstgelegenen Straßenbahnhaltestelle sind es noch eine Minuten Fußweg, bis man vor den einstigen Gefängnismauern steht. Abseits der großen Touristenströme liegt im Nordosten Berlins eine Gedenkstätte, die wie kaum eine andere die Spannbreite der Haftorte im Osten Nachkriegsdeutschlands abbildet.

Kurz nach dem Sieg der Roten Armee über den Nationalsozialismus, beschlagnahmte das sowjetische Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD, vergleichbar mit Innenministerium) eine ehemalige Großküche der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen. Zunächst wurde hier für etwas mehr als ein Jahr das Speziallager Nr. 3 betrieben, eines von insgesamt zehn Speziallagern in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren DDR. Gleichzeitig befand sich hier in der Genslerstraße in Hohenschönhausen auch die Hauptverwaltung für alle Speziallager in der SBZ. Diese Speziallager hatten ursprünglich den Zweck, als Sammelstellen für die von den Alliierten beschlossenen Entnazifizierung zu dienen. Tatsächlich waren viele Internierte ehemalige NSDAP-Funktionäre und Bedienstete des NS-Staates – allerdings in der Mehrzahl rangniedere Funktionäre. Zusätzlich nutzte die sowjetische Besatzungsmacht diese Lager als Instrumente der Herrschaftssicherung, indem sie hier oppositionelle Kräfte internierte und zwar umso intensiver, je länger der Krieg zurücklag. Während das Speziallager Nr. 3 in Hohenschönhausen bereits im Herbst 1946 aufgelöst wurde, sind andere Lager bis 1950 betrieben worden. Auch angesichts der ohnehin katastrophalen humanitären Lage in der unmittelbaren Nachkriegszeit im zerstörten Berlin, waren die Haftbedingungen menschenunwürdig.

Nachdem das Speziallager geschlossen wurde, sind die ehemaligen Lagerräume im Keller der einstigen Großküche von Inhaftierten in einen Zellentrakt umgebaut worden. Fortan diente das grün-grau gestrichene und von den Gefangenen als „U-Boot“ bezeichnete Verlies als zentrales Untersuchungsgefängnis des sowjetischen Geheimdienstes MGB, einem Vorgänger des KGB. Auch hier waren neben NS-Tätern zahlreiche Gegner der Besatzungsmacht und jungen DDR inhaftiert. Für eine Inhaftierung reichte mitunter der bloße Verdacht oder gar fadenscheinige Denunziationen. In den anschließenden Verhören wurden falsche Geständnisse auch gewaltsam erzwungen.

1951 übergaben die Sowjets das Areal an das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) der DDR, das in diesem Komplex ihr zentrales Untersuchungsgefängnis für die gesamte DDR bis zu ihrem Ende im Herbst 1989 betrieb. Bis 1990 blieb das Areal noch ein von Mauern umgebenes Sperrgebiet, das auf den Stadtplänen von Berlin nicht verzeichnet war. Nach der Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße war es die zweitgrößte Stasi-Einrichtung in der gesamten DDR. Heute befindet sich hier die Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Infobox

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Genslerstraße 66, 13055 Berlin

Anreise: Tram bis "Genslerstraße"

Web: Gedenkstätte Hohenschönhausen