Der Generalshügel in der Lieberoser Heide

Es ist still und friedlich in der Lieberoser Heide. Nur der Wind und vereinzelte Autos auf der nahen Bundesstraße 168 unterbrechen die Ruhe. Wer Einsamkeit sucht, ist in der Lieberoser Heide im Südosten Brandenburgs richtig. Es ist wohl einer der am dünnsten besiedelten Landstriche in Deutschland. Von der Aussichtstribüne auf dem ehemaligen Generalshügel öffnet sich der Blick in die weite Landschaft. Doch die Gegend war nicht immer so friedlich und ruhig, wie sie es heute ist.

1942 begann die militärische Nutzung des Gebietes durch die nationalsozialistische Waffen-SS, die von Kriegsgefangenen aus einem Außenlager des KZ Sachsenhausen einen Übungsplatz einrichteten ließ. Durch das Kriegsende 1945 wurde der Platz nie wirklich in Betrieb genommen und die sowjetische Rote Armee übernahm das Gebiet. Auf dem Geände des ehemaligen Konzentrationslagers entstand zunächst ein sowjetisches Speziallager.

Die militärische Nutzung des Übungsplatzes erfolgte dann vor allem ab den 1950er Jahren und es entwickelte sich auf knapp 250 Quadratkilometern der größte sowjetische Truppenübungsplatz in Ostdeutschland und einer der größten Europas. Lediglich eine Landstraße zwischen Lieberose und Peitz durchschnitt das riesige Gebiet von Nord nach Süd. Diese Straße wurde in den folgenden Jahrzehnten oft plötzlich mit Schranken versperrt, sobald die Sowjetarmee mit Bodentruppen und Panzerverbänden Manöver durchführte. Die Anwohner mussten dann kilometerweite Umwege in Kauf nehmen. Das wohl größte Manöver fand hier 1970 statt, als die Staaten des Warschauer Paktes erstmals die gemeinsame Großübung „Waffenbrüderschaft“ abhielten. Der Truppenübungsplatz Lieberose war einer der zentralen Standorte bei der Simulierung einer militärischen Auseinandersetzung mit den NATO-Staaten, die stets als potentieller Dritter Weltkrieg gehandelt wurde. Vom Generalshügel aus wurde das Manöver vom sowjetischen Staatsoberhaupt Leonid Breschnew, den ostdeutschen Gastgebern Walter Ulbricht und Erich Honecker sowie dem heutigen kubanischen Staatschef Raul Castro beobachtet. Über 50.000 Soldaten sollen alleine in Lieberose beteiligt gewesen sein.

In der Region hält sich zudem hartnäckig die Legende, dass auch der heutige russische Staatschef Wladimir Putin zeitweise in der Lieberoser Heide stationiert gewesen sein soll. Im Jahr 1992 kehrte schließlich Ruhe in der Lieberoser Heide ein, denn die militärische Nutzung endete mit dem Abzug der russischen Streitkräfte.

Durch die jahrzehntelange militärische Nutzung ist das Gebiet stark durch Kampfmittel verseucht. Gleichzeitig holt sich die Natur die weiten Flächen zurück. Einige Teile der Lieberoser Heide werden von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg als Wildnisgebiet entwickelt. Die Tribüne auf dem Generalshügel wurde denkmalgerecht umgebaut und ist heute das Herzstück des Sukzessionsparks, der die landschaftliche Veränderung der Gegend dokumentiert. Es gibt sogar Pläne,  aus der Lieberoser Heide in Zukunft einen Nationalpark zu machen.

Infobox

Sukzessionspark Lieberoser Heide / ehemaliger Generalshügel

An der B 168 zwischen Lieberose und Peitz

Öffnungszeiten: durchgehend geöffnet

Eintritt: frei

Web: Sukzessionspark Lieberose