Durchgangslager Frankfurt/Oder – Drehkreuz zwischen Ost und West

In den unmittelbaren Nachkriegsjahren hatte Frankfurt/Oder eine enorme Bedeutung. Die Stadt war die zentrale Durchgangsstation für ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Heimkehrer.

Eine Brücke verbindet Frankfurt/Oder mit der polnischen Stadt Slubice. Ohne Grenzkontrolle kann man heute die Brücke überqueren, die vielen Menschen ein Symbol für eine friedliche, europäische Nachbarschaft ist.

Als im Jahr 1945 der Zweite Weltkrieg endete, setzten kreuz und quer durch Europa umfangreiche Bevölkerungswanderungen ein. Frankfurt an der Oder wurde das zentrale Drehkreuz für die Ost-West-Bewegung. Durch die Grenzverschiebungen wurde Frankfurt/Oder von nun an eine Grenzstadt zu Polen. Aus dem Osten strömten Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Westen. Richtung Osten zog es hingegen Millionen ehemalige sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Josef Stalin misstraute den ehemaligen Gefangenen, sodass sie in der Sowjetunion oftmals Repressionen erwarteten. In die gleiche Richtung mussten nun auch deutsche Kriegsgefangene, die sich in langen Kolonnen zu Fuß auf den Weg nach Frankfurt/Oder machten. Von dort wurden sie zumeist in weit entfernten sowjetischen GULAGs geschickt. In der Oderstadt wurden die Kriegsgefangenen zunächst an mehreren Orten des „Kriegsgefangenenlagers Nr. 69 Frankfurt(Oder)“ interniert, ehe die Züge in den Osten rollten. Hier gab es Registrierungen, medizinische Checks und die Aufteilung in die zukünftigen Arbeitslager.

Die Sowjets nutzen verschiedene Kasernenkomplexe und Barackenlager, wie die Horn-Kaserne in der Nuhnenstraße, eine ehemalige Kaserne aus den 1930er Jahren und heute Sitz der Polizeidirektion Ost. Ein weiteres Barackenlager lief unter dem Namen Gronenfelde. Heute befindet sich dort die Deponie Seefichten. Einige Hundert Meter vor dem Eingang zur Deponie befindet sich ein kleiner Gedenkstein.

Während immer noch die Züge nach Osten rollten, wurden die ersten Deutschen bereits im Sommer 1945 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Hierbei handelte meist um einfache oder ältere Militärangehörige, die nicht arbeitsfähig waren. Für die Heimkehrer wurden Teile der Horn-Kaserne genutzt, die somit als eine Sammelstelle in beide Richtungen diente. Durch schlechte medizinische Versorgung und die geschwächten Gesundheitszustände waren die Sterblichleitsraten bei den Heimkehrenden sehr hoch. Im Mai 1950 fuhr der letzte Zug mit Heimkehrern im Lager Gronenfelde ein. Frankfurt/Oder blieb allerdings weiterhin die erste Station für die noch später Heimkehrenden. Nachdem sie auf dem Schienenweg den neuen Grenzfluss Oder überquerten, betraten sie am Frankfurter Hauptbahnhof erstmals wieder deutschen Boden.

Vor der ehemaligen Horn-Kaserne verkündet ein Denkmal, das an ehemalige Heimkehrerlager erinnert: „Völker entsagt dem Hass – Versöhnt euch! Dient dem Frieden in Freiheit – Baut Brücken zuneinander!“.

Infobox

Horn-Kaserne

Nuhnenstraße 40, 15234 Frankfurt (Oder)

Anreise: Bushaltestelle „Friedrich-Ebert-Straße“

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Gedenkstein Heimkehrerlager Gronenfelde

Grubenstraße

Anreise: Bushaltestelle "Grubenstraße"

 

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