Hintergrund

1945 wurde die deutsche Hauptstadt von der Sowjetarmee erobert und damit der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Von nun an zählte die Region zur sowjetischen Einflusssphäre. Um Berlin herum gehörten sowjetische Soldaten für fast 50 Jahre zum Alltag dazu. Das geteilte Berlin wurde gar das Symbol des Kalten Krieges.

Das sowjetische Berlin

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Keine andere Stadt hatte für die Alliierten eine so große Bedeutung wie Berlin (Берлин). Als deutsche Hauptstadt war sie der Ausgangspunkt des Zweiten Weltkrieges. Die „Operation Berlin“ der Roten Armee sollte schließlich die letzte große Schlacht in Europa werden – und eine der verlustreichsten. Nachdem die Rote Fahne auf dem Reichstag (Рейхстаг) gehisst wurde, ist wenige Tage später in Berlin-Karlshorst (Берлин-Карлсхорст) die Kapitulation Deutschlands unterzeichnet worden. Der Krieg war vorbei.

Durch die Präsenz der vier Alliierten (Sowjetunion, USA, Großbritannien, Frankreich) in Berlin, wurde die Stadt zu der Frontstadt im Kalten Krieg. Symbole dieses Konfliktes zwischen den Weltmächten waren intensive Spionagetätigkeiten, das atomare Wettrüsten und die Berliner Mauer.

Mit zahlreichen Einrichtungen wie der sowjetischen Botschaft, der größten Zentrale des sowjetischen Geheimdienstes KGB außerhalb der Sowjetunion und dem Sitz der 'Sowjetischen Militäradministration (SMAD' bzw. der 'Sowjetischen Kontrollkommision' war Berlin eine politische Machtzentrale der Sowjets in Ostdeutschland.

Erst nach dem Fall der Berliner Mauer, der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind im Spätsommer 1994 die letzten russischen Soldaten aus Deutschland abgezogen. Die Abschiedszeremonie fand natürlich in Berlin statt.

 

Das sowjetische Potsdam

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Potsdam hatte schon seit Jahrhunderten eine große politische und militärische Bedeutung. In unmittelbarer Nähe der deutschen Hauptstadt war sie Residenz- und Garnisonstadt Preußens. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete die Rote Armee ihr Oberkommando im besiegten Deutschland zunächst in Potsdam (Потсдам) ein. Im Sommer 1945 kamen zudem der sowjetische Diktator Josef Stalin, das britische Staatsoberhaupt Winston Churchill und der US-amerikanische Präsident Harry S. Truman zur Potsdamer Konferenz in die Stadt. In der Zwischenzeit waren fast ein Drittel der Gebäude in Potsdam von den Sowjets besetzt und Zehntausende Sowjetsoldaten in der Stadt. Die Nähe zu Westberlin machte Potsdam zu einem der wichtigsten Schauplätze im Kalten Krieg zwischen dem Westen und dem Ost-Block. Als an der Glienicker Brücke mehrere Male Agenten zwischen dem sowjetischen Geheimdienst KGB und dem amerikanischen Geheimdienst CIA ausgetauscht wurden, ging der Grenzübergang als „Spionenbrücke“ (Шпионский мост) in die Geschichte ein. Für fast 50 Jahre gehörten Sowjetsoldaten und innerstädtische Sperrgebiete zum Alltag dieser geschichtsträchtigen Stadt.

 

Die sowjetische Region

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Im Kalten Krieg war Westberlin die Insel des Westens inmitten der sowjetischen Einflusssphäre. Daher war die Region um Berlin herum von besonderer strategischer Bedeutung. Die in Ostdeutschland stationierten Truppen waren die Avantgarde der Sowjetarmee, da sie sich unmittelbar an der Frontlinie eines potenziellen Krieges mit dem Westen befanden. Um Berlin konzentrierte die Sowjetunion einen Großteil seiner Streitmacht und Einrichtungen. Im Land Brandenburg nutzte die Sowjetarmee soviel Fläche, wie im gesamten übrigen Gebiet der DDR. In einigen Regionen lebten deutlich mehr Sowjets, als einheimische Bevölkerung. Die Präsenz sowjetischer Truppen und regelmäßige Großmanöver auf den riesigen Übungsplätzen waren in vielen ländlichen Regionen über viele Jahrzehnte ein gewohnter Anblick.

So präsent die Sowjetarmee auch war, es blieb eine weitgehend verborgene Welt. Abgeschirmt hinter hohen Mauern, lebten Tausende Sowjetsoldaten meist unter einfachsten und schwierigen Verhältnissen in isolierten Militärstädtchen.

Das südlich von Berlin gelegene Wünsdorf (Вюнсдорф) war nicht nur eine echte sowjetische Stadt mit über 50.000 Einwohnern, sondern mit dem Oberkommando der Sowjetarmee in Deutschland auch die heimliche Machtzentrale in der DDR. Keine wichtige Entscheidung konnte die DDR-Regierung ohne die Zustimmung der Sowjets treffen.