Die Verbotene Stadt des KGB in Potsdam

Über fast 50 Jahre unterhielt der sowjetische Geheimdienst KGB in Potsdam einen der wichtigsten Geheimdienststützpunkte in der DDR. Wie war das Leben in der Verbotenen Stadt?

Das Kriegsende und die Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 waren der Beginn des „sowjetischen Zeitalters“ der bürgerlichen Villensiedlung am „Neuen Garten“ in Potsdam. Von nun an war Russisch auf den Straßen des als „Militärstädtchen Nr. 7“ bezeichneten Stadtteils die Verkehrssprache und die Straßen selbst trugen russische Namen.

Im ehemaligen Mädcheninternat „Kaiserin Augusta Stiftung“ - dem größten Gebäude im Viertel - wurde die Deutschlandzentrale der militärischen Spionageabwehr installiert. Die einstige Kapelle wurde zum provisorischen Gerichtssaal umfunktioniert, in dem in den ersten Nachkriegsjahren die Urteile eines „Sowjetischen Militärtribunals“ gefällt wurden. Die militärische Spionageabwehr war eine Abteilung des KGB, die im Kalten Krieg eine große Bedeutung hatte. Man versuchte westlichen Spionagetätigkeiten entgegenzuwirken und überwachte den eigenen Militärapparat. Schließlich waren kontinuierlich rund eine halbe Million sowjetischer Staatsangehöriger in der DDR präsent.

Anfangs durch eine Holzzaun abgeriegelt, wurde später eine hohe Betonmauer mit Stacheldraht und zwölf Wachttürme um das Viertel gezogen. Bewacht wurde der Standort von rund 350 Soldaten eines KGB-Wachbataillons. Als Stadt in der Stadt gab es hier Läden, Poliklinik, ein Hotel, Bibliothek, Offiziersklubs und Wohnungen für die rund 150 Offiziersfamilien, Zivilangestellten und Wachsoldaten.

Offizieren und ihren Familien ging es vergleichsweise gut in der DDR bzw. Deutschland, da der Lebensstandard allgemein höher war als in der ehemaligen Sowjetunion. Im Gegensatz zu den einfachen Soldaten und Wehrpflichtigen hatten sie die Möglichkeit, nach Dienstschluss die Verbotene Stadt verlassen zu können, um in Potsdam Einkaufen zu gehen oder Kulturangebote zu nutzen. Für die Wehrpflichtigen war der Tagesablauf hingegen streng reglementiert, wozu selbstverständlich auch Freizeitaktivitäten zählten.

Das Mirbachwäldchen im Zentrum des „Militärstädtchen Nr. 7“ war einst der Standort des großen Sportplatzes. Ehemalige Inhaftierte aus dem benachbarten zentralen Untersuchungsgefängnis der militärischen Spionageabwehr in der heutigen Leistikowstraße berichteten, dass sie stets den Lärmpegel vom nahen Sportplatz wahrnehmen konnten.

Während das Gefängnis bereits in den 1980er Jahren aufgegeben wurde, war die Verbotene Stadt in Potsdam einer der letzten Standorte überhaupt, der übergeben wurde. Erst im Sommer 1994 haben die letzten russischen Soldaten das „Militärstädtchen Nr. 7“ verlassen und es dauerte ein weiteres Jahr, bis dieser Stadtteil von den Behörden freigegeben und wieder für Potsdamer zugänglich war.

Heute ist die Zeit der ehemaligen Verbotenen Stadt schwer nachzuvollziehen. Die Stadtführung „Sowjetisches Potsdam – In der Verbotenen Stadt“ ist eine gute Möglichkeit, die letzten Spuren jener Zeit zu entdecken und mehr über die sowjetische Zeit in Potsdam zu erfahren.

Weitere Orte der Sowjetarmee in Deutschland und Orte des Kalten Krieges in Berlin und Brandenburg gibt es in unserem digitalen Ausflugsbegleiter.

Infobox

Ehemalige "Verbotene Stadt" in Potsdam (Militärstädtchen Nr.7)

Große Weinmeisterstraße/ Am Neuen Garten, 14469 Potsdam

Anreise: Bushaltestelle "Glumestraße"

[OSM-Plugin-Error]:marker_size error!

[OSM-Plugin-Error]:wms_address