Sowjetisches Speziallager Sachsenhausen Nr.7/ Nr.1

Aus dem ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslager Sachsenhausen wurde nach dem Krieg ein vom sowjetischen Innenministerium (NKWD) betriebenes Speziallager.

(Foto: Denis Apel)

Unmittelbar nach Kriegsende begannen die Alliierten im Rahmen der unter den Alliierten vereinbarten Entnazifizierung mit der Internierung von Deutschen. Hierzu gründete das sowjetische Innenministerium (NKWD) in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zehn Speziallager.

Bei Werneuchen im Nordosten von Berlin entstand bereits im Mai 1945 das Speziallager Nr. 7, das jedoch bereits im August in das 30 Kilometer weiter westlich gelegene ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen verlegt wurde.

Hier wurden zunächst Tausende vor allem rangniedere und -mittlere Nationalsozialisten aufgrund ihrer Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen inhaftiert. Ab 1948 wurden jedoch immer stärker auch Personen interniert, denen Vergehen gegen die sowjetische Besatzungsherrschaft vorgeworfen wurde. Dabei reichten auch vage Verdachtsmomente oder gar Denunziationen aus, um von den Geheimdiensten verschleppt zu werden. Die Lager bildeten somit auch ein wichtiges Instrument der Herrschaftssicherung. Insgesamt sind im Speziallager Sachsenhausen von rund 60.000 Insassen etwa 12.000 Menschen vor allem an Hunger und Krankheiten verstorben.

In einem Teilbereich des Lagers (Zone II) waren u.a. ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, die auf ihre Rückkehr in die Sowjetunion warteten. Heimkehrende sowjetische Kriegsgefangene wurden in Stalins Sowjetunion zunächst pauschal als Verräter gesehen. In Sachsenhausen befand sich zudem ein Spezialhospital zur Behandlung von Sowjetsoldaten mit Geschlechtskrankheiten.

Insgesamt betrieb das NKWD zehn Speziallager innerhalb ihrer Besatzungszone, ab 1948 nur noch drei. Das Speziallager Sachsenhausen erhielt von nun an die Kennzeichnung "Nr.1" und war das größte seiner Art. 1950 sind die letzten verbliebenen Speziallager aufgelöst worden. Die Inhaftierten wurden entweder freigelassen, an DDR-Behörden übergeben oder zur weiteren Strafverbüßung in die Sowjetunion überstellt.

Ab 1961 wurde Sachsenhausen als Gedenkstätte eröffnet, um an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu erinnern. Eine Ausstellung zum Speziallager Sachsenhausen gibt es erst nach der Wiedervereinigung, da die Thematisierung sowjetischer Willkür in der DDR tabuisiert waren.

Der Ausstellungsbereich zum sowjetischen Speziallager befindet sich im nördlichen Bereich des Gedenkstättengeländes.

Infobox

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Straße der Nationen 22, 16515 Oranienburg

Anreise: Regionalbahn oder S-Bahn bis „Oranienburg“, Bus

Web: Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen