Das ehemalige Terrassenrestaurant “Minsk” in Potsdam

Vom Terrassenrestaurant "Minsk" auf dem Brauhausberg in Potsdam hatte man einst einen wundervollen Blick auf die Potsdamer Innenstadt. Ob das seit Jahren leerstehende Gebäude eine Zukunft hat, ist weiterhin unklar.

Die besten Jahre vom Terrassenrestaurant Minsk in Potsdam sind lange vorbei und waren zudem nur vergleichsweise kurz. Erst 1977 eröffnete das Nationalitätenrestaurant anlässlich des 60.Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Dabei sollten hier eigentlich schon viel früher Speisen und Getränke über den Tresen gehen.

Bereits 1970 begann der Bau einer Gaststätte auf dem Potsdamer Brauhausberg. Die Bauarbeiten wurden allerdings abgebrochen, als die knappen Baumaterialien der DDR für den in Ostberlin entstehenden Palast der Republik benötigt wurden. Nun lag diese prominente Baustelle einige Jahre brach, bis eine enge Partnerschaft zwischen dem Bezirk Potsdam und dem Rayon Minsk in der Sowjetunion beschlossen wurde. Als Zeichen der Verbundenheit, sollte das Restaurant am Brauhausberg nun als Folklore-Gaststätte Minsk die kulinarischen Bedürfnisse der Potsdamer befriedigen. Tatsächlich zählte das Minsk nach seiner Eröffnung nicht nur wegen des Ausblickes zu den beliebtesten Gaststätten der Hauptstadt des größten DDR-Bezirks.

Für den Rohbau wurden nun neue Mittel zur Verfügung gestellt und an der Gestaltung des Restaurants wurde ein Künstlerkollektiv aus der weißrussischen Hauptstadt beteiligt. Der Zeitplan war sehr knapp bemessen, denn erst 1976 ging es mit den Bauarbeiten weiter. Für den Potsdamer Architekten Karl-Heinz Birkholz war das Minsk ein besonderer Bau, denn bis hin zu Detailfragen wie der Tischdekoration wurde alles gemeinsam abgestimmt. Die Folklore-Gaststätte sollte ein stimmiges Gesamtbild abgeben, das sich auch in der Speisekarte wiederfinden sollte. Die sichtbarste Verbindung zu Minsk bildete das Stadtwappen als Leuchtreklame an der Außenfassade, die sogar noch heute teilweise erkennbar ist. Doch auch bei der Innengestaltung wurden Stadtmotive verwendet wie Schmuckglas an den Fensterfronten oder Stoffvertäfelung im Foyer.

Auch nach der Wende gab es verschiedene Versuche, das Minsk weiterzunutzen. Doch nach Jahren des Verfalls und Vandalismus benötigt man einiges an Fantasie um sich vorzustellen, welche architektonischen Qualitäten das Bauwerk hat. Fraglos ist es nicht nur für Potsdam ein bedeutendes Zeugnis für den Stil der Ostmoderne. Gerade um diese Architekturepoche gibt es in Potsdam hitzige Diskussionen, da deren charakteristischen Exemplare aus dem Stadtbild verschwinden. Für den Erhalt des ehemaligen Terrassenrestaurant Minsk gibt es in Potsdam viele Befürworter. Ob sich die Stadt zu ihrem baugeschichtlichen Erbe bekennt oder doch den Verlockungen der Investoren erliegt, die hier gewinnbringend eng bebauen wollen, wird die nahe Zukunft zeigen.

Weitere Lost Places gibt es hier. Mehr aus der Rubrik "Kultur & Architektur" findet ihr hier.

Infobox

Ehemaliges Terassenrestaurant Minsk

Max-Planck-Straße/Brauhausberg

Anreise: Hauptbahnhof Potsdam

[OSM-Plugin-Error]:marker_size error!

[OSM-Plugin-Error]:wms_address