Das Olympische Dorf Elstal bei Berlin

Als Mustersiedlung für die Olympischen Sommerspiele 1936 erbaut, war das Olympische Dorf westlich von Berlin Spandau die längste Zeit seiner Existenz ein ganz besonderer Standort der sowjetischen Armee.

Aus dem Stadtzentrum Berlins führt eine schier endlose Straße fast schnurgerade in Richtung Westen bis vor die Tore der Hauptstadt. Schon im 18.Jahrhundert begann dort in der Döberitzer Heide westlich von Spandau die militärische Nutzung. Bis in die Gegenwart sollte sich daran nichts ändern. Nördlich der Döberitzer Heide ließen die Nationalsozialisten für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin ein Musterdorf für die Sportler errichten. Sie inszenierten die Sommerspiele als Propagandaevent, um sich vor der Welt als modern und weltoffen zu präsentieren. Dass gerade der afroamerikanische Sprinter Jesse Owens der Held der Sommerspiele wurde, dürfte die Nationalsozialisten erzürnt haben. Schon bei den Planungen des Olympischen Dorfes wurde an eine militärische Nachnutzung gedacht, sodass nach Beendigung der Spiele die Wehrmacht das Gelände übernahm.

Keine zehn Jahre nach Eröffnung des Olympisches Dorfes kamen neue Nutzer auf das Gelände. Die Sowjetarmee und ihre Verbündeten hatte den Zweiten Weltkrieg in Europa beendet.

Die Vorbereitungen für einen möglichen neuen Krieg ließen allerdings nicht lange auf sich warten. Das Olympische Dorf und weitere Stützpunkte der Umgebung waren von großer strategischer Bedeutung. Im Kalten Krieg zwischen dem Ostblock und dem Westen wurde die Hauptstoßrichtung eines NATO-Angriffs auf Berlin aus westlicher Richtung über Helmstedt/Magedeburg erwartet und das Olympische Dorf lag mitten im Hauptverteidigungsstreifen.

Im Laufe der sowjetischen Nutzungszeit gab es wechselnde Stationierungen auf dem Gelände, meist eine Motorisierte Schützendivision, bestehend aus verschiedenen Panzertypen. In der 1950er Jahren zählte der Stützpunkt etwa 5.000 Soldaten. Im Sommer 1953 kam für die hiesigen Einheiten der Marschbefehl, denn sie wurden bei der Niederschlagung des Volksaufstandes vom 17.Juni in Ostberlin eingesetzt. Anfang der 1960er Jahre soll hier nach westdeutschen Geheimdiensterkenntnissen zeitweilig eine der wichtigsten Fernmeldeeinheiten der Sowjetarmee in Ostdeutschland stationiert gewesen sein – mit direkter Nachrichtenverbindung nach Moskau.

Sportlich ging es jedoch weiterhin zu, denn der hier sitzende „Sowjetische Armeesportklub Elstal (SASK)“ war in der DDR bekannt. Hierher kamen sowjetische Spitzensportler, die in der DDR ihren Wehrdienst ableisteten. Die Fußballabteilung trat in Freundschaftsspielen gegen den BFC Dynamo, Union Berlin oder den 1.FC Magdeburg an und mitunter verlieh der Klub sogar hin und wieder seine Spieler an deutsche Vereine. Das Olympische Dorf war stets auch Austragungsstätte für größere Sportwettkämpfe der sowjetischen Streitkräfte, zu denen Sportler aus der gesamten DDR anreisten.

Die sichtbarsten Zeugnisse der sowjetischen Nutzung sind die großen Plattenbauten, die hier entstanden und die historische Bebauung ergänzten. Im so genanten Hindenburghaus, das als Offizierscasino für größere kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde, gibt es zudem ein Lenin-Wandbild im großen Saal.

Im Sommer 1992 sind die letzten russischen Truppen aus dem Olympischen Dorf abgezogen. Das Gelände gehört heute einer Stiftung und kann bei Sonderführungen besichtigt werden. In Zukunft soll ein Teil des Olympischen Dorfes als Wohnpark entwickelt werden.

Infobox

Olympisches Dorf Elstal

Rosa-Luxemburg-Allee 70, 14641 Wustermark

Anreise: Bus bis "Eulenspiegelsiedlung"

Führungen