Das Geheimdienst-Untersuchungsgefängnis in der verbotenen Stadt

Die Wände im ehemaligen KGB-Untersuchungsgefängnis im ehemaligen "Militärstädtchen Nr.7" können sprechen. Was haben sie uns zu erzählen?

Es ist kühl im Keller des einzigen grauen und schmucklosen Gebäudes im Villenviertel am Neuen Garten in Potsdam. Man kann nur erahnen, wie es sich angefühlt haben muss, als die schweren Zellentüren hinter einem verschlossen wurden.

Kurz nach der Potsdamer Konferenz im August 1945 wurde das ehemalige Pfarr- und Geschäftshaus der evangelischen Frauenhilfe von den Sowjets beschlagnahmt und bald zu einem Gefängnis umfunktioniert. Es wurde das zentrale Untersuchungsgefängnis der militärischen Spionageabwehr des sowjetischen Geheimdienstes. In die winzigen und kargen Zellen kamen im September die ersten Inhaftierten. Zunächst wurden Deutsche und Sowjet-Bürger gleichermaßen inhaftiert, die der Spionage oder feindlichem Verhalten gegen die Sowjetunion verdächtigt wurde.

Das Spektrum der Inhaftierten reichte von nationalsozialistischen Tätern im Rahmen der Entnazifizierung bis hin zu unschuldigen Menschen, die willkürlich unter Verdacht gerieten oder denunziert wurden. Hinter den Gefängnismauern wurden alle gleich behandelt.

Als Untersuchungsgefängnis war es jedoch nur eine Zwischenstation innerhalb des sowjetischen Haft- und Lagersystems. Die Verurteilten erhielten häufig langjährige Haftstrafen im Gulag, wie im nordrussischen Workuta. Mitunter sind auch Todesurteile gefällt worden, die dann in Moskau vollstreckt wurden.

Ab Mitte der 1950er Jahre blieb das Untersuchungsgefängnis ausschließlich für Angehörige der sowjetischen Streitkräfte fortbestehen. Unter den Inhaftierten waren häufig Soldaten, die versucht hatten in den Westen zu fliehen. Besonders für junge Wehrpflichtige war der Wehrdienst eine harte und qualvolle Zeit, sodass viele dem Druck nicht standhalten konnten.

Sowohl die deutschen als auch die sowjetischen Gefangenen hinterließen in den Zellenwänden eingeritzte Botschaften wie: "Irmgard Gimperlein. geb. 14.4.33 Todesstrafe 10.7.52“. Mehr als die Hälfte der Inschriften sind in Russisch. Durch die aufwendige Spurensuche konnten insgesamt knapp 1.200 Inschriften dokumentiert werden, die wichtig für die Rekonstruktion der Schicksale der Gefängnisinsassen und des Gefängnisalltags sind.

Im Jahr 1983 endete die Gefängnisnutzung und das Gebäude wurde ein Materiallager des sowjetischen Städtchens.

Den Potsdamern waren die Geschehnisse in der Geheimdienststadt weitgehend unbekannt. Die Gefangenen wurden meistens nachts mitunter in als Rote-Kreuz-Fahrzeugen getarnten Gefangenentransportern in das abgeschirmte „Städtchen Nr. 7“ gebracht. Die Existenz des Gefängnisses ist sogar erst nach der Öffnung der Geheimdienststadt 1994 richtig bekannt geworden. Angeblich hat der letzte Kommandant dafür gesorgt, dass das Gebäude nicht abgerissen und die Spuren dieses Ortes nicht für immer verwischt werden. Er sei selbst Anhänger Gorbatschows, dessen Familie von Josef Stalin verfolgt worden sei.

Heute befindet sich in dem Haus eine Gedenk- und Begegnungsstätte mit einer sehenswerten Dauerausstellung.

Infobox

Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

Leistikowstraße 1, 14469 Potsdam

Anreise: Tram bis „Puschkinallee „ (von dort einige Minuten Fußweg) oder Bus bis „Glumestraße“

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 14 – 18 Uhr / Führungen nach Voranmeldung / Eintritt frei

Web: Gedenkstätte Leistikowstraße

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